Samstag, November 18, 2017

Inspirationen einer Autorin – Lilli Beck. "Wie der Wind und das Meer!"

Hallo ihr Bücherfreunde da draußen.
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Liebt Ihr Familiengeschichten? Interessiert Ihr Euch, wie es Waisenkindern nach dem zweiten Weltkrieg erging? Vor allem, wollt Ihr wissen, wie die wunderbare Geschichte "Wie der Wind und das Meer" von Lilli Beck entstand? Lilli erzählt uns nun, welche Dinge sie zu ihrem Roman inspiriert haben. Ich habe es von Lilli selbst schon auf der Lit Love erfahren.

Danke liebe Lilli, dass du nun alle Leser an dieser schönen Geschichte teilhaben lässt. Es ist für mich wie ein weiterer Roman. Die Geschichte vor der Geschichte.



Die Geschichte hinter der Geschichte– Lilli Beck
Wie der Wind und das Meer

Lilli Beck.

Die Ausgangsidee zu dieser Geschichte tauchte bereits 2014 auf, als ich für Glück und Glas, meinem ersten zeitgeschichtlichen Schicksalsroman, recherchierte, und bei diesem Roman waren sie besonders aufwühlend. Teilweise brachten mich die Berichte und Dokumentationen zu den Waisenkinder immer wieder an den Rand der Tränen und ich musste oft unterbrechen, um den nötigen Abstand zu gewinnen, ohne den ich viele der tragischen Ereignisse nicht hätte beschreiben können. Nie war ich so dankbar für meine relativ gesicherten Lebensumstände, wie während der Arbeit an diesem Roman.

Wie auch im ersten Roman beginnt die Handlung wieder mit dem Ende des 2. Weltkriegs, bei dessen Ende schätzungsweise eine halbe Million Kinder ihre Eltern verloren hatten und zu Vollwaisen geworden waren. Darunter unzählige traumatisierte Kleinkinder, die nicht wussten, wer ihre Eltern sind, noch ihren richtigen Namen oder ihr Geburtsdatum kannten.

Krieg ist die schlimmste von Menschen gemachte Katastrophe, die ein Volk treffen kann. Doch am grausamsten trifft es die Kinder, die unschuldig sind und doch die Konsequenzen dieses Irrsinns mitzutragen haben. Ganz besonders tragisch sind Schicksal von Waisenkindern. Heute scheint es uns unvorstellbar, und wir fragen uns, wie das überhaupt möglich war. Wieso hat niemand bemerkt, dass sie allein durch die Trümmerwüste irrten, sich in irgendwelchen Kellerlöchern versteckt oder sogar im Wald gelebt haben?
Ich habe mich gefragt, wie sie überleben konnten? Hat sich irgendjemand ihrer angenommen, sie versorgt, oder kamen sie schließlich in Waisenhäusern unter? Inzwischen kursieren massenhaft Erlebnisberichte von überlebenden Kindern, die nie erfahren haben, wer sie sind und woher sie kamen.
Einige Glückliche wurden adoptiert, und das war ein weiterer aufregender Punkt. Denn das damalige Adoptionsgesetz, wer Kinder aufnehmen durfte und warum, unterschied sich doch sehr zum heutigen Gesetz. Das hat die Story nachhaltig beeinflusst.
Des weiteren waren die ersten Nachkriegsjahre von Entbehrungen und Hunger geprägt. Es fehlte vor allem an Lebensmitteln und Wohnungen. Die Münchner Innenstadt war zu 90% zerstört und 300.000 Bewohner obdachlos. Einige Experten wollten München gar dem Erdboden gleichmachen und am Starnberger See neu aufbauen. In Berlin waren von über 1,5 Millionen Wohnungen nur noch knapp 400.000 sofort wieder bewohnbar. Experten hatten für den Wiederaufbau der Städte unfassbare 40 bis 50 Jahre geschätzt. Wenn man diese Zahlen hört, kann man sich vorstellen, dass ganz Deutschland ein einziges Trümmerfeld war und jeder sich durchkämpfen musste. Inmitten dieser zerstörten Städte als Kind ohne Eltern zu überleben, kam einem Wunder gleich. Nicht wenige dieser Kinder schlossen sich zu Banden zusammen, hausten in Kellerlöchern, suchten in den Trümmern nach Verwertbarem und schlugen sich mit kleinen Diebstählen durch. Niemand kümmerte sich um sie, jeder war mit den eigenen Nöten beschäftigt.

Trotz aller Recherche fehlte mir noch der richtige Einstieg in die Geschichte. Da kam mir der Zufall zu Hilfe, als ich meiner neunzigjährigen Mutter beim Umzug half. Dabei entdeckte ich auf dem Dachboden einen alten Lederkoffer, der Fotos, Dokumente und einen Ahnenpass enthielt.

Fotos: Koffer, Ahnenpass,  Bilder










Solche Funde sind ja immer spannend. Leider konnte sich meine Mutter nicht erinnern, woher der Koffer stammt und wer auf den Fotos abgebildet ist. Vielleicht wollte sie auch nicht darüber reden. Und da ich finde, dass jeder ein Recht auf seine Geheimnisse hat, habe ich auch nicht weiter nachgehakt, aber den Koffer samt Inhalt mitgenommen.    


So, hier kommen die geheimnisvollen Fotos: Meine Mama als junge Frau und ein junger Mann, an den sie sich nicht erinnern konnte ... vielleicht ein Schulfreund, meinte sie .....


Meine Mutter am ersten Schultag!
Eine Postkarte von Amrum und das Foto dieser Villa war auch im Koffer


Die Schulklasse meiner Mutter - sie wurde von diesen schrecklichen Schulschwestern vom Orden der Englischen Fräuleins unterrichtet












Und meine Großmutter. Das Foto stammt aus dem Jahr 1903.



Diese Puppe habe ich Pauls Schwester zugeschrieben.
'



Diese „Zutaten“ ergaben den Beginn der Geschichte, und zusammen mit den Widrigkeiten der Nachkriegsjahre entstand die Story, vor dem Hintergrund der Entwicklung Deutschlands. 


Klappentext München, im April 1945: 
Nach einem verheerenden Fliegerangriff irrt der elfjährige Paul mit einem Koffer durch die Trümmerlandschaft. Auf der Suche nach einem Versteck trifft er auf ein kleines Mädchen. Sie heißt Sarah, hat wie er ihre Familie verloren – und sieht Pauls Schwester verblüffend ähnlich. Um in der verwüsteten Stadt nicht allein zu sein und von den Behörden nicht getrennt zu werden, schließen Paul und Sarah einen Pakt: Von nun an werden sie sich als Geschwister ausgeben. Ihr Plan geht auf. Doch wie hätten sie ahnen können, dass Jahre später ihre Notlüge ihr Verhängnis werden würde – und dass sie sich würden verstecken müssen, um sich lieben zu dürfen … 

Das ist natürlich nur eine Zusammenfassung der Anfangsgeschichte, denn bis sich die beiden ineinander verlieben, vergehen einige Jahre, in denen sie vieles durchmachen müssen, was sie umso enger miteinander verbindet.


Liebe Grüße, Eure Lilli Beck



Genau diese Liebe zum Detail, macht Lillis Familiengeschichten zu etwas ganz Besonderen. Ich fühle mich in ihren Geschichten sehr wohl. Vieles davon wurde mir früher von meinen Eltern erzählt. Einiges habe ich selber mitverfolgen können. Die Frau weiß wovon sie schreibt. Die Protagonisten bleiben einem nicht fremd. Alle sind liebevoll ausgearbeitet. Einige Schauplätze in München kenne ich. Andere durfte ich in ihren Geschichten kennen lernen. 

Es gibt schon Zufälle im Leben. Erst vor ein paar Tagen habe ich die Biographie“Hannas Koffer“ gelesen. Aus der Kriegszeit existieren bestimmt noch viele Koffer. Sie bergen traurige und abenteuerliche Geschichten. Lilli zählt zu den Autorinnen, die diese wieder zum Leben erwecken. Den Koffer hat sie schon mal abgestellt. Mit welcher Geschichte wird sie wohl als Nächstes unser Herz berühren? Paul aus “Der Wind und das Meer“ ist nicht das einzige Kind, welches mit einem Koffer durch die Trümmer irrte. 




Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende. Lasst es Euch gut gehen.





Dritte von links: Lilli Beck

        Mein Blog ist ein privates Hobby. Ich verfolge keine kommerziellen Zwecke. Ich bekomme kein Geld für meine Rezensionen und Beiträge!



Kommentare:

  1. Meeeeega toll <3 Ich bin total gerührt, wieviel Liebe in diesem Buch steckt und mit wieviel Liebe, Tränen und Mühe es entstanden ist! Nun bleibt mir das Buch definitiv noch mehr in Erinnerung! Eine wunderschöne Geschichte, die dahinter steckt <3

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  2. Hallo Gisela,

    das ist ein toller Post, das Buch klingt super, wäre auf jeden Fall etwas für mich. Die Fotos untermalen den Bericht noch so richtig authentisch.

    Noch ein schönes Wochenende,
    Barbara

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    1. Liebe Barbara, ich kann es dir nur ans Herz legen.

      Liebe Grüße,
      Gisela

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